Herbstlager 2017

Es ist immer so eine Sache mit den Superlativen. Was für den einen das ultimativ Beste ist, ist für den anderen nur gutes Mittelmaß. Aber wenn man mich persönlich fragen würde, dann würde ich sagen, dass das Herbstlager 2017 das anstrengendste, geplanteste, vielseitigste, aber auch das beste und schönste Lager des GTS seit Anbeginn der Zeit war.

Die Teilnehmerschar war – wie im GTS üblich – bunt gemischt. Denn von Verbands- oder Regionsgrenzen hält man bei uns grundsätzlich nicht so viel. (siehe auch SPLITTER 101 Kommentar zur Ringekluft) So hatten wir einen Stamm aus Aachen ebenso wie Gäste aus DPSG und CPD dabei. Doch diese Vielfalt war auch schon die erste große Herausforderung. Von drei verschiedenen Standorten konnten die Teilnehmer starten, bevor die diversen Zugverbindungen dann zusammengeführt wurden und man ab Köln endlich gemeinsam im Zug Richtung Dorsten fuhr.

Als die immer größer gewordene Schar dann am Ziel ankam, wurde das nächste Problem offensichtlich. Wir hatten ein Haus gebucht, welches für 30 Personen ausgelegt ist und mit maximal 40 Teilnehmern gerechnet, doch haben sich fast 60 Personen angemeldet. So wurde im Haus zusammengerückt und im Garten des Hauses noch zwei Jurten aufgebaut. Irgendwie fand jeder seinen Platz. Allerdings mussten in den größten Raum 29 jüngere Teilnehmer zusammengelegt werden und jeder, der schon mal auf einem Wöli-Lager war, weiß, dass ein solcher Raum nie zu Ruhe kommt.

So auch in den ersten Nächten bei uns. Pia und ich schlugen uns die

Nächte um die Ohren, um wenigstens für etwas Ruhe in der „Wöli-Hölle“ zu sorgen. Die folgenden Nächte wurden aufgrund der Erschöpfung der Teilnehmer etwas besser, aber wirklich ruhig war es in diesem Raum nie. Glücklicherweise hatte ich persönlich eine kleine Kammer mit nur 2 Personen als Schlafraum bekommen, so dass ich wenigstens manchmal etwas Ruhe bekam.

Zu Beginn des Lagers wurden die Teilnehmer von einem Schamanen in vier unterschiedliche Indianerstämme eingeteilt, die alle ihre individuelle Stärke hatten. Diese vier Stämme lebten schon immer in Rivalität zueinander, wurden aber durch den Eisenbahn-Tycoon „Trainy McTrain“ gezwungen zusammenzuarbeiten, um den Bau der Eisenbahnlinie durch ihr Land zu verhindern.

 

Dafür war es nötig, dass die Indianer den Standort der Friedenspfeife ermitteln, böse Cowboys besiegen und WesternCity auf den Kopf stellen. Aber all diese Aufgaben meisterten die Teilnehmer mit Bravour, so dass die Indianer letztendlich den Bau der Eisenbahnlinie verhindern konnten. Trainy McTrain handelte noch einen Kompromiss aus und beschenkte alle Teilnehmer mit einem wunderschönen Lagerabzeichen als Erinnerung an die gemeinsamen Abenteuer.

Und Abenteuer gab es so einige. Zum Beispiel die 2-Tagestouren in die wunderschöne Landschaft oder der Einfall von 60 Personen in das örtliche Schwimmbad. Aber auch Nachtwanderung und drei Geländespiele wurden erfolgreich absolviert.

Neu auf diesem Lager war, dass es nach der Nachtruhe um 23 Uhr noch ein Late-Night-Programm für die älteren Teilnehmer und Leiter geben sollte. Doch leider wurde dieses Late-Night-Programm fast nie in Anspruch genommen, da alle Leiter abends nur noch ins Bett wollten. Und wenn man schon aufblieb, dann sang man gemeinsam und tauschte das bunt gemischte Liedgut aus. Nur an einem Abend wurde das Late-Night-Programm wie geplant umgesetzt. Der VCP Stamm aus Aachen hatte den GTS vor dem Lager herausgefordert, in 10 Wettkämpfen den besseren Stamm bzw. Gau zu ermitteln. Pia hatte diesen Wettkampf vorbereitet und die Kontrahenten mussten ihre Fähigkeiten in z.B. Kraft (Liederbuch halten), Wissen (Blamieren oder Kassieren) oder Geschicklichkeit (Bobby-Car-Rennen durch das Haus) beweisen. Vor dem letzten Wettkampf war der Punktestand fast gleich, doch dann setzte sich Lennart aus dem GTS beim Tisch-Basketball durch und führte den GTS zu Glanz und Gloria.

Der interessierte Leser fragt sich jetzt sicherlich, wieso ich am Anfang schrieb, dass das beste Lager des GTS war. Denn alles was ich hier aufliste, ist zwar schön, aber nicht besonders. Das Besonders waren und sind die Teilnehmer. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer ist im Meuten-Alter. Die Lautstärke war immer hoch. Und ich musste so häufig schreien, dass ich schnell heiser war. Aber dennoch hat jeder Teilnehmer sich voll und ganz eingebracht. Unsere jüngsten Teilnehmer haben in Ihrer Freizeit ein ganzes Dorf im angrenzenden Wald errichtet und wollten dort am Ende auch trotz Wind und Regen übernachten. Die Leiter waren erstaunt wie groß und vielfältig „Hordenhausen“ war. Sogar eine Toilette gab es. Und auch die älteren Teilnehmer waren stets motiviert und ließen sich nicht unterkriegen. Die 2-Tagestour war trotz stetem Regen für alle Teilnehmer ein absolutes Highlight. Und man spürte bei den Leitern, dass sie die Zeit dort genossen. In der spärlichen Freizeit setze man sich zusammen, tauschte sich über Verband- und Regionsgrenzen aus und sang oder spielte. Man besuchte gegenseitig die sehr unterschiedlichen Aufnahmen und sah ein, dass man selbst noch

 

viel lernen kann. Man merkte, wenn ein Leiter der Verzweiflung nahe war und übernahm dessen Aufgabe. Auch zu mir selbst wurde mehrfach gesagt: Bleib sitzen, ich mach das schon.

Und trotz aller Unterschiede merkten wir, was Pfadfinden ausmacht. Pfadfinden ist, wenn man trotz aller Erschöpfung nach 7 Tagen ohne Schlaf im total überfüllten Regionalzug das Fell auspackt, sich auf den Boden setzt, die Gitarre stimmt und der ganze Wagon anfängt das Lagerlied zu singen.

 

Die Auswertung des Lagers läuft noch. Aber es zeichnet sich schon jetzt mehr als deutlich ab, dass Herbstlager 2018 wieder ein buntes, vielfältiges Lager aus verschiedenen Regionen und Verbänden wird. Denn im Herzen sind wir alle gleich.

^SR

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