Carlisle

Es ist zwar schon spät und das Geschnarche um mich rum ist groß, aber ich denke, es ist mal wieder Zeit für einen neuen Zwischenbericht. 

Von dem Hostel in Stirling ging es wie geplant in die ‚Meadows‘ und wir schlugen unser Zelt an dem Fuße eines bewaldeten Hügels auf. Achso – natürlich regnete es. 🙂 aber ich muss auch generell mal klar stellen, dass es hier zwar jeden Tag regnet, aber auch jeden Tag mal die Sonne scheint und die Temperaturen an sich auch ganz okay sind, wenn nur nicht immer alles so nass wäre. Und wie unser Zeug dadurch stinkt… (Aber das ist ein anderes Thema). Jedenfalls fanden wir an besagtem Hügel einen großen, weitverzweigten Ahorn, so dass sich die gesamte Truppe ca. 4m über dem Boden im Geäst des Baumes niederließ und den Nachmittag dort mit Gesang, Gitarre und Gesprächen über die wichtigen und weniger wichtigen Dinge des Lebens verbrachte. Am nächsten Morgen sollte es dann auf die Spitze des Hügels gehen und wir ahnten noch nicht, wie anstrengend dieser Anstieg sein wird. So kamen wir erst gegen frühen Nachmittag oben an und bewunderten die kilometerweite Aussicht über Felder und Hügel Schottlands. 
Da nach dem ebenso kräftezehrendem Abstieg niemand mehr Lust und Kraft hatte, weiterzuziehen, beschlossen wir einfach dort zu bleiben und ich cancelte das Bunkhouse. Natürlich folgte die Strafe für diese Faulheit unverzüglich als in der Nacht eine unserer 2 Kohten unter starkem Regen und Winden zusammenbrach. Ich selbst war nicht betroffen und hörte, dass Pumas und Schneehasen ganz gut alleine mit der Situation zurecht kamen, sodass ich noch 3 Stunden schlafen konnte, bevor wir dann um 8 Uhr endgültig unser Lager aufgaben und uns in strömenden Regen Richtung Bahnhof Stirling aufmachten. Da der schottische Regen die magische Eigenschaft besitzt in Minuten jegliche Regenkleidung aufzuweichen nutzen wir den Bus bis zum Bahnhof Stirling, wo wir auf die Bahn nach Glasgow umstiegen. 
In Glasgow angekommen, war mein erster Eindruck, dass diese Stadt unangenehm laut ist. Eine typische Großstadt eben. Wir mussten noch ein wenig Zeit bis zum Einchecken rumkriegen und liefen ein erstes Mal durch die imposante Fußgängerzone. Nach dem Einchecken in der Jugendherberge stand den Kindern der Nachmittag frei, so dass jeder seinen Vorlieben nachkommen konnte. Ich selbst zog mit den 3 Mädels los und landete wenig später in einem Primark. (Ich liebe diesen Laden so wie der Teufel das Weihwasser…)
Doch nachdem die Mädels fertig mit dem Shoppen unnötiger Dinge waren, wollte auch ich shoppen und fasste nochmal den Gedanken, einen Kilt zu erwerben, ins Auge. Eine Stunde später und viele Pfund ärmer war ich stolzer Besitzer eines original schottischen Kilts. 
Am Abend lief nicht mehr allzu viel, da alle ziemlich müde früh zu Bett gingen. 
Heute morgen waren die Schneehasen und Pumas von meinem Kilt so begeistert, dass wir nochmal den Kiltdealer unseres Vertrauens aufsuchten und die 3 Mädels und Konstantin auch in beste Schottentracht steckten. 
Aussehend wie eine schottische Gang zogen wir gegen Mittag zum Bahnhof Central in Glasgow und traten die 2,5 stündige Zugfahrt nach Carlisle an. Wie bisher immer – wurde die Zugfahrt von den meisten zum Schlafen genutzt. Nur um Missverständnisse zu vermeiden: wir schlafen eigentlich genug. Jede Nacht schlafen wir zwischen 8 und 12 Stunden, da wir spätestens um 21 Uhr mit Sonnenuntergang ins Bett gehen, aber doch scheint die Erschöpfung in all unseren Knochen so tief zu stecken, dass wir sofort einschlafen, sobald wir einen warmen, trockenen Platz finden. 
In Carlisle hatten wir ja schon einige Erfahrung und die Kinder befürchteten, dass wir wieder 3 Stunden stadtauswärts wandern müssen, ehe wir ein Stück Wald finden. Doch ich konnte sie damit überraschen, dass ich die Jugendherberge, die ich in Carlisle von Samstag auf Sonntag gebucht habe, während der Zugfahrt kontaktiert habe und wir schon ab heute dort unterkommen können. 
Überglücklich von dieser Nachricht bezogen wir heute Nachmittag dort die Betten und waren danach einfach mal zum Spielen auf einer nahegelegenen Wiese. Es ist das erste Mal, dass wir auf dieser Fahrt richtig zum ‚Spielen‘ kommen. Irgendwie fehlte uns dazu bisher die nötige Zeit und Ruhe. 
Aber mit der Aussicht auf 3 trockene Nächte in Folge war wirklich jeder wunschlos glücklich und auch die kleinen Blessuren an Beinen und Füßen sind gar nicht mehr so schlimm. Für die besorgten Eltern sei an dieser Stelle angemerkt, dass wir bisher keine nennenswerte Verletzungen erlitten haben, abgesehen von geschundenen Füßen natürlich. 
Morgen habe ich ‚Ausschlafen‘ und ‚Freizeit‘ auf die Tagesordnung gesetzt, da sich dies die Kinder heute am meisten wünschten. 
Ich selbst werde morgen meine Wäsche waschen, da der Gestank meines Rucksacks langsam unzumutbar wird. 
Wer es ganz genau wissen möchte: wir sind im „Carlisle City Hostel“ in der 36 Abbey Street in Carlisle und ich muss sagen, dieses Hostel ist das schönste, sauberste und gemütlichste Hostel in dem ich je war. Betrieben wird es von einem jungen Pärchen, die selbst häufig als ‚Backpacker‘ unterwegs waren und sich vor mit der Eröffnung vor 5 Wochen einen Traum erfüllten. 
Und bevor das hier noch eine Werbeseite wird, verabschiede ich mich und wünsche allen Daheimgebliebenen liebe Grüße aus Nordengland (endlich wieder, nachdem wir doch wesentlich länger als geplant in Schottland waren). ^SR

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